Grünanlage Albert-Schweitzer-Weg in Kiel

WALDSPIELPARK

Die Grünfläche am Albert-Schweitzer-Weg ist in die Jahre gekommen und ein wenig in Vergessenheit geraten. Die Topografie sowie die Überbleibsel der ehemaligen Plantsche zeigen aber, dass dieser Ort einst von besonderem Charakter war. Nun gilt es diesem Grünraum im Spannungsfeld zwischen Wohnquartier und Hafen, Wald und Lichtung, Bergen und Tälern einen neuen Geist einzuhauchen.

Der Entwurf setzt dabei auf ein klares Konzept, dass die Qualitäten der einzelnen Bereiche stärkt und den jeweils richtigen Nutzungen zuordnet. Der Wald bleibt ein Wald den man entdecken kann. Zwischen den Baumstämmen leuchtet ein roter Stamm, ein kleiner Steg führt hier her bis man eine von anderen Kindern die vor einem hier waren gebaute Butze / ein Waldtipi entdeckt. Wer möchte hier nicht unmittelbar einziehen und weiterbauen?

Die große Topografie wirkt wie eine Schale, ein Amphitheater - in ihrer Mitte eine Bühne. Hier treffen sich die etwas älteren Kinder, die es lieben ihre Tricks beim Skaten, Basketball oder Trick-shots mit dem Fußball zu zeigen. Die blaue Fläche aus Gummigranulat gibt ihnen die Bühne, der Hang und die Sitzstufen sind Parkett und Ränge auf denen andere Sitzen und zuschauen. Der blaue EPDM Kreis erinnert durch seine Farbe und die bewegte Oberfläche gleichzeitig an das Wasser der ehemaligen Plantsche. Dort wo es über die Kante schwappt entsteht eine kleine Welle, die heute von Skater (und Bobbycar Fahrer) heiß begehrt wird.

Der grüne Hang bleibt unzerschnitten in seiner eindrucksvollen Form erhalten. Am Rand liegen einige Stufen die es zu erklimmen gilt. Schöner ist es aber hinab – denn da führt eine breite Rutsche, auf der fünf Personen nebeneinander den Hang runter sausen können, hinab. Oben angekommen erreicht man den eigentlichen Spielplatz. Aus rohen und krummen Hölzern geformt entstehen ganze Landschaften die wie vergrößerte Tierwelten, Nester und Höhlen ausschauen. In zwei Flächen, unter dem lichten Dach der Bäume findet man Nischen und Verstecke, Herausforderungen zum Klettern, Türme und Netze. Ein Ort der der Phantasie freien Lauf läßt. Hier finden gerade Kinder zwischen 3 und 10 einen Ort der sie jeden Tag aufs Neue fasziniert, motiviert und inspiriert.
Unter den Bäumen sind auch Sitzplätze und ein langer Tisch angeordnet die zum Verweilen oder für das Picknick zwischendurch dienen.

Der Entwurf gliedert sich insgesamt stark in den Bestand ein. Die vorhandene Topografie wird lediglich bei der Rutsche geändert, um hier die richtige Neigung zu erhalten. Die Plantsche bleibt ebenfalls erhalten und bildet einerseits einen Grabeschutz unter den Sand- und einen Unterbau unter den Gummigranulat Flächen. Extensive Strauchpflanzungen an den Waldrändern gliedern den Ort und hauchen mit ihrer Blüte ein wenig Farbe in das Grün.

Die Eingänge werden durch die klare Anordnung der Wege in den Park sichtbarer. Leitstelen markieren darüber hinaus die Zugänge und beschildern diese. Ein neuer Weg fügt sich ohne Verlust von Bestandsbäumen ein und ersetzt den nördlichen Pflegeweg. Somit erreicht man zukünftig von Osten über den Balkon auf direktem Wege den Waldspielpark.
Der Balkon wird dabei in seiner Massivität reduziert durch das Ersetzen der massiven Brüstung mit einem transparenten Geländer. So wird der Park sichtbar vom Quartier und auf dem Balkon entsteht ein romantisches Plätzchen mit Blick auf die Förde und den Sonnenuntergang.
Die Zuwegung von Süden vom Heikendorfer Weg kann leider nicht barrierefrei hergestellt werden. Die Ausbildung einer Rampe die auch nur annähernd den Richtlinien zur Barrierefreiheit entspricht würde einen sehr großen baulichen Aufwand (Rampen, Stützmauern, Geländer etc.) sowie einen nicht vertretbaren Eingriff in den Waldbestand bedeuten. So dass im Entwurf der Weg in seiner Neigung nur vereinheitlicht wird und Ruhepodeste alle 10m mit einer Sitzgelegenheit angeboten werden, um den Aufstieg zu erleichtern.
Während dieser Zugang aufgrund der Gefälle aus Asphalt hergestellt wird sind die sonstigen Wege in Wassergebundener Decke vorgesehen.
Eine Rampe nördlich des Gebiets ermöglicht jedoch eine barrierefreie Erschließung und Durchwegung von Süd-Ost nach Nord-West. Auch Wald und Spielflächen sind, zumindest in Teilen barrierefrei zugänglich. Auf Stegen kann man hier mit eintauchen oder auf dem gepflasterten Kreisweg und der EPDM Fläche direkt dabei sein.

Neben den Spielgeräten und -Flächen findet man als besonderes Element immer wieder die Farbe Rot. Ein paar der Robinienstämme der Spielgeräte sind rot lasiert, Stelen an den Eingängen ebenfalls. Aber auch die Mittelsäule an der das Waldtipi gebaut wird ist rot wie auch die Masten der Leuchten. So markiert die Farbe den Ort, leitet, lenkt und sammelt und erzeugt eine eigene Identität.

Location

:
Kiel

Typology

:
Playground & Sport

Status

:
Competition, 1st Prize

Year

:
2021

Area

:
33.000 m²

Keywords

:
Playground, Topography, Wood, Forest, Plansche

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